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Die Werkstattbücherdes R. Bouchet

Die kleinen Geheimnisseder großenGitarrenbauermöchte wohl jeder erfahren, um hinter den Kulissen die scheinbare Wahrheit des großen Klangs einer kleinen Gitarre zu kommen. Nur, was wären die schönsten Geheimnisse, wenn wir sie wüssten: Bestenfalls keine Geheimnisse mehr oder schlechtesten fallsdie heisse Luft hinter einem potemkinschenDorf.

Aber im Laufe der Zeit wird aus den kleinen Magien der Künstler das Wissen der Allgemeinheit auf das zukünftige Generationen von Gitarrenbauernaufbauen können. So war in den Zirkeln der Gitarrenbauer schon seit langem bekannt, dass Robert Bouchetsehrdetaillierte Werkstattbücher über seine gebauten Gitarren führen sollte, aber der Mythos blieb Mythos da wohl nur sehr wenige die Bücher kannten, geschweige denn Einblick nehmen durften. Diese Zeit der Geheimnisse endete an dem Tag, da diese Bücher von seiner Witwe dem Musikmuseumübergeben wurden. Aber wer wusste dieses schon, wenn nicht dieses Werkstatt-Tagebuch jetzt in einer Faksimileformvon diesem Museum veröffentlicht worden wäre.

Bouchet war kein "klassischer" Gitarrenbauer, sondern eher Autodidakt, der viel durch zusehen z.B. in der Werkstatt von Julian Gomez Ramirez in Paris erlernte. Das Werkstatthandbuchkönntesomit die Zusammenfassung seiner "unsystematischen"Erfahrungen gewesen sein.

Und es ist wirklich ein Werkstattheftmit kariertem Papier 21x27 cm, schon etwas vergilbt, da es ca. 1950 entstanden ist. Hier regiert noch kein Computersatz, sondern eine gut leserliche Handschrift mit Ergänzungen, Korrekturen und Unterstreichungen. Klar gibt es auch kein Inhaltsverzeichnis und penibel konstruierten Unterpunkten, sondern eine dem Arbeitsprozess folgender Gang der Konstruktion, der nicht immer durch Linearitätgeprägt ist.

Was dieses Werkstatthandbuchaber von der mittlerweile Menge vergleichbarHandbücher zum Gitarrenbauabhebt ist nicht nur die Authentizitätder Beschreibung und die zahllosen Tabellen und konkreten Messwerte sondern die allfälligen Illustrationen. RobertBouchet war nicht nur Gitarrenbauer, sondern auch passionierter Maler, dessen Werke sich in diversenSammlungen wiederfinden. In seiner Werkstatt schwang er zwarnicht den Pinsel um denBaufortschritt zu dokumentieren, aber er malte die Konstruktionszeichnungen (mit der Feder) und hinterlegte sie farbig. Fast jeder kleine Teilschrittwird im Bild festgehaltenund da die Freihandzeichnung den Blick auf das Wesentliche lenkt, erkennt der geneigte Leser sofort was dargestellt werden soll. Er wird nicht wie bei heutigen Fotographien von einer Vielzahl von Farben und Details erschlagen, die mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun haben. Da kann man noch dazu lernen was den didaktischen Einsatzvon Anschauungsmaterial betrifft. Die Freihandzeichnung verleiht den Bildern im Gegensatz zur Konstruktionszeichnung einen Charm der auch durch die Darstellung trivialer Vorgänge (Biegen der Randleisten durch vorheriges Befeuchten mit Wasserdampf durcheine n qualmenden Teekessel) weiter unterstützt wird. Auch für den gestandenen Gitarrenbauer mögen sich in zahlreichen Konstruktionszeichnungen von Tools zum Bau noch bedenkenswerte Hinweise finden.

Beschrieben wird auf über 100 Seiten die Konstruktion einer spanischen Gitarre die von Ida Presti und Alex Lagoyagespielt wurden und die auch in diesem Museum zu finden sind.

Aber damit ist es noch nicht genug. Daniel Friederich kommentiert im Anschluß der FaksimileausgabeSeite für Seite die Einträge seines Freundes, erläutert, führt aus, korrigiert fachkundig und rückt Reihenfolgen zurecht. Eine verspätete Diskussion an einer entstehenden Gitarre, die auch die Arbeit und Vorgehensweisenvon Daniel Friederich beleuchten. Damit man andieser Stelle sich auch ein plastischeres Bild machen kann wurden einige Bilder von R. Bouchet bei der Arbeit aufgenommen, die auch die Biographie der ersten Seiten ganz

gut ergänzt.

Zusammenfassendkann man sagen, daß es ein schönes Buch ist, dass vielleicht nicht mehr die schwerwiegenden Erkenntnisse des Gitarrenbausaus dem Dunkel der Vergangenheit zerrt, aber Licht in die kleinen Geheimnisse wirft und in der liebenswertenArt der Darstellung den GitarrenbaumeisterBouchet in einem anderen Licht erscheinen läßt.

Es gibt keine Geheimnisse mehr oder ? Doch, wenn man des französischennicht kundig ist...



Robert Bouchet (1898-1986)
Cahier d'atelier
la construction d'une guitare classique
edition en facsimile
avec une introduction par Catherine et Bruno Marlat
et un commentaire de Daniel Friedrich

c Musee de la musique
Cite de la musique Paris 2003

 

 
 
Hajo Dezelski
 
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