Lesen und Hören und so weiter
Lesen, lesen und immer nur lesen wobei die Welt aus Punkten besteht, deren Gruppierung im Kopf zu Zeichen, Worten, Sätzen, Seiten Büchern und Sinn wird.
Hören, Hören und immer nur hören wobei die Welt aus Schwingungen besteht, deren Analyse nur ein kleines Spektrum berücksichtigt und zum Geräusch, Ton, Klang, Melodie und Musik wird. Doch Musik findet nicht nur im Kopfe statt, aber ohne Kopf gäbe eskeine Musik.
Zusammenfassung frei nach Grass: Ein weites Feld, das sich Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer vorgenommen hat. Und dann ist er nur "Hobbymusiker" und im Hauptberuf Leiter einer Psychiatrischen Unversitätsklinik.Aber irgendwo hatten wir dies doch schon einmal bei R. Jourdain: Die Forschungsansätzevon Medizin, Psychologie, Neurobiologie und Kognitionswissenschaftenauf das Anwendungsfeld Musik konzentriert.
Nichts wird in diesem Buch ausgelassen: Musik hören, erleben, machen und verstehen und dies bei der Darstellung wechselnd vom Niveau einer Dissertation bis hin zum besten Wissenschaftsjournalismus.
Noch ein Anlauf: Von der physikalischen Akustik über die akustische Wahrnehmung durch das Ohr und der Umsetzung und dem Verständnis der Musik im Hirn werden detailliert die verschiedenen Vorgänge in einer Sprache geschildert, die durchaus verständlich ist. Dabei werden auch die neuesten Erkenntnisse der Forschung berücksichtigt, sodaß man nach dem Lesen den Eindruck hat, man wüßteBescheid. Ein roter Faden ist vorhanden und wird immer wieder von Fragestellungen unterbrochen, die nahe an den Beratungseckenpopulärer Zeitungen und Fernsehsendungen sind, aber trotzdem die Menschheit interessieren:
Räumliches Hören, Kurzzeitgedächtnis, Lärm im Mutterleib, Ohrwürmer, Körper wird Musik, das absolute Gehöre: gelernt oder vererbt, Frauen und Musik, Lehrer und Schüler, Smash Hits bei Buckelwalen,...
Für die geneigte Leserschaft seien die folgenden Kapitel empfohlen: Mit Instrumenten spielen, Musizieren und insbesondere gemeinsam Musizieren und Gesundheit, Medizin und Therapie.
Wie man unschwer erkennen kann ist der Rezensent auf der einen Seite von der Fülle des Materials erschlagen und weiss nicht wo er anfangen soll: Es ist fast alles interessant, - (wenn es interessiert:Musik in der Gebärmutter)- und im Notfall durchaus auch als Nachschlagewerk mit einem entsprechend üppigen Literaturverzeichnis versehen, daß bei meiner 2. korrigierten Auflage bis zum Jahre 2001 reicht. Auf der anderen Seite litt das Lesevergnügendurch den Wechsel von wissenschaftlicher Trockenheit, packender Darstellung und wohlmeinender Beratung.
Es ist wohl ein Buch, um das man nicht herumkommt, wenn man sich auch auf dieser Ebene für Musik interessiert, da es bei Bedarf fundiert als Ausgangspunkt weiterer Lektüre genutzt werden kann. Und Spass hat man an der Musik auch weiterhin bzw. ist erstaunt, was in unserem kleinen Kopf so alles vorgeht, wenn er mit Musik beschallt wird.
Letzte Frage: Warum singen Männer gern in der Badewanne? Auflösung siehe Seite 280 f
Manfred Spitzer:
Musik im Kopf
Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk
Schattauer Verlag
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